Gemeinsam sind wir einzig

Über zwei Jahre sind vergangen, seit zuletzt eine Übersetzung von mir aus dem Dänischen erschienen ist. Und ungefähr zwei Jahre hat es von der Anfrage bis zum Erscheinen gedauert – damit gehört Gemeinsam sind wir einzig zu den eher gemütlichen Projekten der letzten Jahre.

Eigentlich hatte Anna Grue ja bereits einen deutschen Übersetzer – ihre Krimis rund um Dan Sommerdahl werden von Ulrich Sonnenberg übersetzt. Nun hatte sich Anna aber einen lang gehegten Traum erfüllt und einen Liebesroman geschrieben, der nicht beim selben deutschen Verlag erscheinen sollte wie die Krimis. Es stand also ein Genre- und ein Verlagswechsel ins Haus, und in solchen Fällen ist ein Übersetzerwechsel nichts Ungewöhnliches. Praktischerweise hatte Ulrich auch nichts dagegen, diesen Roman von Anna nicht zu übersetzen, und so wurden der Berlin Verlag und ich uns handelseinig.

Während ich an der Übersetzung des 470 Seiten starken Romans saß, passierten bei  Bonnier Media Deutschland (der Konzern, zu dem der Verlag gehört) Umstrukturierungen, die unter anderem dazu führten, dass Anna Grue Italiensvej nun nicht mehr im Berlin Verlag erscheinen sollte, sondern bei Piper. Aber gut, mit Piper verbindet mich ja eine langjährige gute Zusammenarbeit …

Anna Grue und ich beim Titel-Brainstorming in Kopenhagen im November 2016

Der Inhalt kann an anderer Stelle nachgelesen werden (er erinnert manche an Elena Ferrantes‘ Meine geniale Freundin), ich möchte lieber noch etwas zur Arbeit an diesem Roman erzählen.

Übersetzen ist bekanntlich die genaueste, gründlichste Art des Lesens. Und so spüren ÜbersetzerInnen, ob sie wollen oder nicht, auch immer mal Fehler in der Vorlage auf (Nobody is perfect!). Mal fehlt ein Wort, mal gibt es Tippfehler, mal ist etwas unlogisch, mal ist etwas schlicht falsch … Wenn sich das häuft, kann das schon mal den Spaß an der Arbeit schmälern, denn hin und wieder stellt sich nachgerade die Frage, ob überhaupt ein Originallektorat stattgefunden hat …

Was diesen Aspekt betrifft, kann ich nur sagen: Die Übersetzung von Anna Grues Italiensvej war EINE WONNE!! Auf den 470 Seiten habe ich sage und schreibe zwei Fehler gefunden – und der eine war in der zweiten Auflage bereits korrigiert (mir lag für die Übersetzung die erste Auflage vor). Der zweite ist absolut nicht handlungsentscheidend, ich kam bloß drauf, weil ich recherchieren musste, wie das, was da beschrieben war, wohl auf Deutsch heißt.

Ich konnte mich also voll und ganz auf die Autorin verlassen, das war ganz wunderbar.

Immer wieder ein gutes Gefühl, das „Baby“ in einer Buchhandlung (hier: Findus in Flensburg) zu sehen

Und dann die Geschichte … Die Protagonistin Vittoria trägt ja ein Geheimnis mit sich herum, während sie in dem für sie fremden Land Dänemark 1958 so allerlei erlebt. Da war zu spüren, dass Anna Grue sich auf Spannungsliteratur versteht. Und weil ich mir das Vergnügen und die Spannung nicht vorzeitig nehmen wollte, las ich Italiensvej ganz bewusst nicht komplett durch, bevor (oder während) ich es übersetzte. Ich las beim Übersetzen … und setzte mich jeden Morgen wieder mit neuer Spannung und Vorfreude an den Schreibtisch.

Das sehr gründliche Lektorat machte dann im Frühjahr 2017 Nina Hoyer, und im November stand die Umbruchkorrektur an. Die mir einen unverhofften Lacher bescherte:

Auf einmal stutzte ich, als ich dort las, eine der Nachbarinnen habe Vittoria zum Kaffeekränzchen „einen Karton mit Katzenjungen“ mitgebracht. Katzenjunge? Wer bringt denn bitte zum Kaffeekränzchen so mir nichts, dir nichts Katzenjunge mit? Zumal in einem spießigen Vorort, wo immer alles picobello aussieht? Was für eine Anmaßung! Das musste doch ein Druckfehler sein! Sofort sah ich in meinen Dateien nach – in sämtlichen Versionen stand „Katzenjungen“. Merkwürdig. Dann zog ich das Original zu Rate – und prustete fast los, als ich dort las: „en æske kattetunger“, also „eine Schachtel Katzenzungen“. Entschieden logischer an der Stelle. Aber wie gesagt, „Nobody is perfect“ – und dieser Fehler ist bei mehreren Lesedurchläufen verschiedenen Augenpaaren durchgerutscht. Ich überlegte kurz, den Fehler stehenzulassen … und abzuwarten, ob er wohl jemandem auffällt …

 

Anna Grue
Gemeinsam sind wir einzig
PIPER
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 12.01.2018
624 Seiten, Broschur
Übersetzt von: Marieke Heimburger
ISBN: 978-3-492-31165-6

 

 

„Ein klasse Roman“, in dem „Reduktion und Tempo vorbildlich funktionieren“, urteilt Stephan Opitz in Schleswig-Holstein am Wochenende (27./28.1.2018)

 

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