„Was man unter Wasser sehen kann“ von Henriette Dyckerhoff

Im Juni mit der Autorin Henriette Dyckerhoff bei der BücherFrauen-Sommerakademie auf Sylt gewesen. Kaum von dort zurückgekehrt, im Online-Katalog unserer Bücherei nachgesehen, ob es das Buch dort gibt, und kaum war es endlich eingetroffen (es war frisch bestellt), gleich unter den Nagel gerissen.

Binnen zehn Tagen gelesen. (Das heißt für meine Verhältnisse, dass ich es verschlungen habe. 😀)
Auf den ersten Seiten (Schauplatz Berlin) war ich noch nicht überzeugt, da fehlte mir irgendwas. Aber je weiter ich dann las, desto mehr packte es mich, und ganz viel hat mir supergut gefallen – unter anderem die Dialoge. Sehr lebendig und witzig (z. B. „Meine Mutter und mein Vater hatten was miteinander.“ – „Das ist ja mal ungewöhnlich.“). Dezent als mundartlich oder umgangssprachlich markierte Figurenrede. Schöne, fast schon weise Sätze … („In Ronnebach bestand man einfach zu 95% aus Vergangenheit.“ – „Zwischen Leben und Tod lagen 30 m Bodenlosigkeit.“ u. ä.)
Zwischendurch kam tatsächlich dieses „Mist! Was lese ich, wenn ich mit diesem fertig bin?!?“-Gefühl auf.
Am Ende werden nicht alle Rätsel gelöst, und das ist gut so. Die eine Lösung zeichnet sich zwar zunehmend ab, erschließt sich aber erst bei der konkreten Beschreibung in seiner Komplexität. Vergangenheit und Gegenwart werden sehr schön miteinander verwoben.
Ein runder, gelungener Roman!
Ungeklärt blieben für mich die legendenhaften Passagen am Anfang eines jeden Teils und ganz zum Schluss … Die konnte ich nicht recht einordnen.
Und: Als sehr großer Fan von Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky finde ich den Titel ziemlich blöd. Ich verstehe die Überlegungen des Verlags (man will sich an einen anderen Erfolgstitel anlehnen, ist ja auch durchaus thematisch vergleichbar), aber ich frage mich, an welcher Stelle (außer in einem Traum) irgendetwas unter Wasser vor sich geht, das den Titel inhaltlich rechtfertigen würde …
Jedenfalls wandert das Buch jetzt sofort weiter an die nächste Leserin. Und ich habe der Leiterin unserer kleinen, feinen deutschen Bücherei in Tondern vorgeschlagen, die Autorin mal zu einer Lesung einzuladen. 😀

Henriette Dyckerhoff
Was man unter Wasser sehen kann
Roman
Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
Rütten & Loening
978-3-352-00924-2  
20,00 € *)Inkl. 7% MwSt.

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„Ungeschliffener Diamant“ von Alice Pung

Dieses Buch ist schon ein bisschen älter … Das Original Unpolished Gem erschien bereits 2006 in Australien. Ein deutscher Verlag kaufte die Rechte, ich übersetzte es 2009, der Verlag verschob es von einem Programm ins nächste und beschloss letztlich, es doch nicht zu veröffentlichen … „Ungeschliffener Diamant“ von Alice Pung weiterlesen

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Zwanzig Jahre ist mein ältester Sohn jetzt alt. Mit dreizehn habe ich ihn losgelassen – er zog in ein Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Da war er gut aufgehoben, da konnte er Teenager sein. Als er achtzehn wurde, musste er umziehen in eine betreute Wohnanlage für Erwachsene mit mehrfachen Behinderungen. Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder …? weiterlesen

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